

Georg Kunkelmann
- 80 Jahre Mitglied im Turnverein 1911 Waschenbach
(von Heinz Schuchmann)

Angelika von der Heyden
VDH-
Verlag
Waschenbach
In der Vereinschronik erschien Georg erstmals 1924. Als Schüler hatte er am 14.09.1924 beim Jugendtreffen in Frankenhausen mitgemacht. Mit dem 16. Platz gab es einen erfolg- reichen Start als Wettkämpfer. Es folgten weitere Jugendturnfeste mit immer guter Platzie- rung:
08.08.1926 Jugendturnen in Ober-Ramstadt (15. Platz),
12.06.1927 Jugendturnen in Nieder-Ramstadt (10. Platz).
Diese Jahre waren auch die Zeit intensiver Wanderungen in den Turnvereinen, “Turn- gänge” genannt, welche durchaus anspruchsvoll sein konnten. Oft wurde morgens um
6 Uhr gestartet und die Route konnte auch mal über Gadernheim, Raidelbach und Seidenbuch führen. Georg beteiligte sich eifrig. Für 1927 erhielt er dafür sogar eine Ehrennadel, weil es an allen vier Turngängen teilgenommen hatte.
Georg Kunkelmann wurde am 1. Januar 1928 als Zögling in den Turnverein übernommen. Erst jetzt war er also offizielles Mitglied, obwohl er schon einige Jahre als Schüler dem Verein angehört hatte.
Demnach war Georg Kunkelmann am 01.01.2008 80 Jahre Vereinsmitglied!
Seinen ersten Einsatz als Zögling hatte er beim Gaufest in Ober-Ramstadt am 8.8.1928. Mit dem 4. Platz war dieser Start sehr vielversprechend.
Mit 18 Jahren rückte Georg in die Männerklasse auf. In
dieser erreichte er beim Gaufest in Griesheim 1931
den 12. Platz. Ein Höhepunkt war schließlich das Gau-
treffen 1932 in Bessungen. Georg Kunkelmann war
1. Sieger!
Er erinnerte sich, dass die Rückkehr der Mannschaft
ordentlich gefeiert wurde: Der erste Vorsitzende Knecht
hatte im Vereinslokal „Krone“ (Peter Adam) zu einem
Fass Freibier eingeladen! Übrigens: Es gab zu der Zeit
keine Autos in Waschenbach. Bessungen hin und zurück
wurde zu Fuß bewältigt.
In den frühen Jahren des Turnvereins wurde auch die Kultur
gepflegt, indem man regelmäßig Theater spielte. Auch
hierbei war auf Georg Verlass. So war er auch Schau-
spieler in dem Stück „Theaterstück „Bolizeidiener Strubbes
und die Besemgräit“, das zu Weihnachten 1936 erstmals
in Waschenbach aufgeführt worden war (es gab in den
1950er Jahren dann noch ein erfolgreiches Revival).
Auch fand ein reger Austausch mit Frankenhausen statt.
Die Stücke wurden meistens im Rahmen von „Abendunter-
haltungen“ dargeboten. Der Saal der Krone platzte ge-
wöhnlich aus allen Nähten.
Ensemble einer Abendunterhaltung:
(Aufgenommen im Hinterhof des Gasthauses Krone)
In der vorderen Reihe von links:
Wilhelm Pfeifer, Ernst Adam (Zitter),
Heinrich Harnischfeger, Georg Kunkelmann,
Heinrich Geyer (Ziehharmonika),
Adam Keller, Georg Keller,
Johannes Dieter II (Geige)
Mit Pickelhaube: Adam Kunkelmann
Weihnachten 1936, sowie ein 2. Mal drei Wochen später,
wurde “Bolizeidiener Strubbes un die Besemgrät” zur
Aufführung gebracht. Die Teilnehmer waren:
Sitzend von links:
Adam Brückmann, Johannes Dieter II,
Georg Kunkelmann.
1. Reihe stehend von links:
Marie Dietz, Wilhelm Brückmann, Georg Wembacher IV,
Karl Poth, Käthe Wembacher, Adam Keller,
Lehrer Sehnert, Ernst Kaffenberger.
Hintere Reihe von links:
Hans Hach, Adam Kunkelmann, Elisabeth Wembacher,
Philipp Krämer jun., Marie Keller, Adam Müller,
Elisabeth Becker.
Der 2. Weltkrieg beendete Georgs Sportlerkarriere. In Waschenbach war er unter den ersten, die eingezogen wurden. Am 27.8.1939, dem Kerbsamstag, nachts um 3 Uhr, überbrachte Bürgermeister Philipp Krämer die Nachricht, dass er am gleichen Tag in
der Kaserne in Mainz anzutreten hatte.
Unvorstellbare 11 Jahre später kam er, nur unterbrochen durch kurze Fronturlaube, von diesem Einsatz zurück. Dazwischen lagen Frankreich, Jugoslawien und ab Weihnachten 1941 Rußland. Er wurde verwundet (am 27.8.1942) und nach Genesung in ein Ersatz-
bataillon zur Rekrutenausbildung gesteckt, wieder in Frankreich. Inzwischen war er Unteroffizier, am Ende Feldwebel.
Über Dänemark ging es aber ein zweites Mal nach Russland. Georg erinnerte sich:
„Am Ende habe ich 17jährige Buben kommandiert“. 1945 geriet er in Gefangenschaft;
als einer der letzten Waschenbacher kehrte er erst 1949 zurück. Mit seiner Frau Gustl,
die er 1936 heiratete, hatte er gerade mal drei gemeinsame Jahre verbracht.
Es ist denkbar, dass er auch über die Waschenbacher Vereine wieder in den Alltag fand.
Im Turnverein geschah dies aber nicht mehr als Aktiver, sondern auf der Funktionärs-
ebene. So war er z.B.
1952-1954 Turnwart,
1961 Mitglied im Festausschuss für das 50jährige Vereinsjubiläum,
1963-1968 Wanderwart,
1968 Gerätewart,
1986 wurde er zum Ehrenmitglied des Turnvereins ernannt.
Davor leistete er dem Verein wertvolle Dienste bei dessen Hallenbau. Es kamen Georgs Talente als Schreiner zur Geltung.
In diesem Handwerk hat er von 1927 an 47 Jahre der Firma Schröbel in Ober-Ramstadt die Treue gehalten. Nur 1935 musste er als Nichtparteimitglied einen „gesetzlichen Arbeitsplatztausch“ in den Reichsarbeitsdienst vornehmen.
Die folgenden Bilder zeigen Georg beim Hallenbau.
Bis vor wenigen Jahren hat sich Georg Kunkelmann beim Seniorensport der Turnvereins Waschenbach fit gehalten!
Am 10.3.2008 ist Georg Kunkelmann gestorben. Er wird immer mit der Geschichte des Turnvereins verbunden bleiben!
Georg Kunkelmann wurde am 29.07.1913 geboren.
Mit etwa neun Jahren kam er in näheren Kontakt zum Turnverein in Waschenbach:
Er und sein älterer Bruder Adam mussten nur zwei Häuser weiter laufen, um abends im Nebenstübchen des früheren Gasthauses „Zum Odenwald“ (Johannes Wembacher) fasziniert den Übungsstunden der Turner zuschauen zu können..